Thomas Ehrsam und Regula Wyss

Ihr Leben

Die Chronik Thea Sternheim will nicht nur Ereignisse auflisten, sondern anhand ihrer ›Erinnerungen‹ und vor allem des von 1903 bis 1971 weitgehend täglich geführten Tagebuchs ihre persönliche und religiöse Entwicklung, ihre Stellungnahme zu politischen Ereignissen, zu ihr wichtigen Personen und Werken der Kunst und Literatur anhand prägnanter Zitate dokumentieren. Dass die Auswahl beim Umfang des Tagebuchs nicht leichtfiel, muss wohl kaum gesagt werden. Bei den Beziehungen zu Personen und Werken haben wir uns auf die wichtigsten konzentrieren müssen. In erster Linie sind das Carl Sternheim, ihre Kinder, Franz Pfemfert, Frans Masereel, André Gide, Julien Green, Gottfried Benn, Pablo Picasso, Herman de Cunsel sowie Stendhal, Gustave Flaubert und Lew N. Tolstoj.

1883-1888

Am 25. November 1883 wird Thea als drittes Kind ihrer Eltern Agnes und Georg Bauer in Neuss geboren und auf die Vornamen Olga Maria Theresia Gustava getauft. Sie wächst zusammen mit ihren zwei Brüdern, Richard und Theo, in einer sehr wohlhabenden katholischen Familie auf.
Vor dem Vater, der seine Freunde vor allem aus Militärkreisen wählt, fürchtet sich das Mädchen, obwohl er es als einzige Tochter bevorzugt. »Da ich beim Aussprechen des S lispele, muß ich mich in strammer Haltung hinstellen, laut, deutlich ›Hose, Rose, Dose‹ sagen.« (Ern S. 8) …


Thea mit ihren Brüdern Richard und Theo, undatiert, Fotograf unbekannt
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1888

Die Familie zieht um nach Köln; das Haus am Hansaring 53 ist vom jüngeren Bruder des Vaters »im Zeitgeschmack, d. h. in einem Stil, der milde mit ›Plüsch‹ zu bezeichnen ist, erbaut worden.« (Ern S. 12).
Jede Woche fährt Thea zusammen mit ihrer Mutter zur Grossmutter Schwaben nach Deutz, sie ist noch mit sechzig Jahren eine schöne, stattliche Frau und wohnt in einem behaglichen Haus zusammen mit Tante Linchen und deren Tochter Olga. Die Besuche bei der Grossmutter gehören zu den angenehmsten Erinnerungen Theas …


Das Elternhaus am Hansaring 53, Köln, Fotograf unbekannt
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1889-1894

Sechsjährig kommt Thea in die Kuttenkeulersche Schule am Gereonsdriesch und lernt lesen und schreiben.
Zwischen den Eltern gibt es Spannungen. Die Mutter Theas leidet unter der Untreue ihres Mannes. Schon früh macht Thea die Erfahrung, dass das wohlanständige bürgerliche Familienleben oft trügerischer Schein ist: Ein Onkel ist in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden, drei Tanten sind geschieden. Aber auch die häuslichen Verhältnisse anderer Verwandter »sind nicht geeignet, mir das Familienleben in rosigem Licht erscheinen zu lassen.« (Ern S. 22) …

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1895

Thea bereitet sich auf die Erste Kommunion vor. In der Karwoche verbrennt sie ihre sämtlichen »poetischen Ergüsse« im Garten. »Bewegt mich die pathetische Handlung, ahne ich, daß sie Abschied von der Kindheit bedeutet.« (Ern S. 34) …

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1896

Als Dreizehnjährige tritt Thea in das Pensionat der Schwestern Josefine und Anna Meurin in Bonn ein. Dort lernt sie Eugenie Hauth, die spätere erste Ehefrau Carl Sternheims, kennen.
Ihre Lieblingslektionen sind die des Professors Meurer, der den Schülerinnen das ›Nibelungenlied‹ vorliest und erklärt. Ansonsten habe sie ihre Bonner Zeit eher als langweilig erlebt, ohne Höhe- und Tiefpunkt, ist in ihren ›Erinnerungen‹ zu lesen. Sie ist aufgebracht darüber, dass die Pensionatsleiterinnen die Briefe der Schülerinnen öffnen und lesen. Die strenge Disziplin im Pensionat empfindet sie als Freiheitsberaubung …


Eugenie Sternheim-Hauth, um 1910, Fotograf unbekannt, DLA
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1898-1900

Nach zwei Jahren verlässt Thea das Bonner Pensionat und wird von den Eltern in ein Mädcheninstitut in Brüssel geschickt. Sie bekommt ein freundliches eigenes Zimmerchen, wird nicht wie andere Mädchen in einem Schlafsaal untergebracht.
Die Pensionärinnen kommen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten; Thea freundet sich mit einzelnen Schülerinnen an. Auf Begegnungen mit Mitschülerinnen und Lehrerinnen wird Th. St. in ihrem Roman ›Sackgassen‹ (1952) zurückgreifen. Der Tagesablauf ist freier als in Bonn, die Fünfzehnjährige fühlt sich in Brüssel sehr wohl. Bald beherrscht sie die französische Sprache gut in Wort und Schrift, sie entdeckt die französischsprachige Literatur …

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1901

Thea Bauer kehrt zurück nach Köln ins Elternhaus. Der Briefwechsel mit Löwenstein wird fortgeführt und es finden weiterhin heimliche Treffen statt. Nach einem handgreiflichen Streit mit den Eltern entschliesst sich Thea, Arthur aus Trotz zu heiraten, Fluchtpläne werden geschmiedet. Sobald Löwenstein sein Assesorexamen bestanden hat, wollen sie sich in England trauen lassen.
»Der Zufall spielt mir Tolstois ›Auferstehung‹ in die Hand. / Während Tolstoi spricht, wird nicht wieder alles, wie es früher war, als ich noch beten konnte? Streckt nicht wie auf dem Bild, das in meinem Neußer Schlafzimmer hing, ein Engel die Hand aus, mich vor dem Absturz zu retten?« (Ern S. 55) …

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1902

Rückkehr nach Köln, wo das Ehepaar mit den Verwandten Löwensteins verkehrt. Es kommt zu Spannungen, Th. St. beginnt sich gegen Arthur aufzulehnen, der sie kontrolliert und ihren Freundinnen zu entfremden versucht.
Die Ehepartner leben sich zunehmend auseinander.
»Fand ich früher die Tage zu kurz für das, was ich wollte, beginne ich mich aus der Anpassung an Loewenstein zu langweilen.« (Ern S. 65). Februar / März. Th. St. bereut, ihren Eltern Kummer bereitet zu haben, und schreibt einen Brief an ihren Vater. Dieser schreibt zurück, er würde ihr zwar vergeben, könne das Vorgefallene aber nicht vergessen. »Wie Du selbst sagst, überlassen wir es der Zeit, den Riß zwischen Dir und mir zu heilen […].« (Ern S. 66).
Schliesslich zieht das Ehepaar nach Düsseldorf-Oberkassel in einen Neubau; die Wohnung ist feucht, drei Öfen müssen dauernd geheizt werden. Th. St. hat ein achtzehnjähriges Hausmädchen und muss selber kochen: eine neue Erfahrung …

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1903

Im Frühjahr 1903 begegnet Th. St. erstmals dem fünfundzwanzigjährigen Schriftsteller Carl Sternheim, der mit Eugenie Hauth, einer ehemaligen Mitschülerin Th. St.s aus dem Bonner Pensionat, verheiratet ist. Sie beschreibt ihn als »mittelgroß, schlank, excentrisch und überangezogen.« (Ern S. 80). Zu Beginn fühlt sich Th. St. von Sternheims grosssprecherischem Auftreten abgestossen. Die Art und Weise, mit der er seine Erfolge bei Frauen herausgestrichen habe, sei ihr peinlich gewesen. Sternheim empfiehlt Th. St. die Lektüre seines Dramas ›Judas Ischarioth‹ (1901) …


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1904

Im Laufe des Jahres 1904 kommt es zu heimlichen Treffen mit Sternheim, und Th. St. verliebt sich leidenschaftlich. In den Jahren 1904-1906 – sie sehen sich nur selten – schreiben sie sich fast täglich, knapp 500 Briefe2 sind erhalten.
Sie ist fasziniert von Sternheim als dem schöpferischen Mann, sie bewundert seine Kreativität. »[…] Und gieb mir immer mehr von Deiner Kunst. Ach Du! nur gute, wahre Kunst allein kann helfen, selig machen. Liebt’ ich Dich sonst wohl, wenn Du mir das nicht gegeben hättest? Wärst doch sonst wie alle andern, die kommen und gehen.«2
März. »In diesen Tagen bin ich selig, gewiß, die bessere Hälfte meines Ichs gefunden zu haben. Carl, an meinem Herzen, versichert mir, der Augenblick seines Lebens sei da, in dem er den Himmel bittet, den Ablauf der Ereignisse stillstehen zu lassen.« (Ern S. 85) …

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1905

Januar. Th. St. beginnt mit dem Schreiben ihres Tagebuchs; der erste datierte Eintrag stammt vom 7. 1. Vorangestellt sind 13 Gedichte, Liebesgedichte, datiert nur mit den Jahreszahlen 1903 oder 1904. Sie thematisieren die heimliche Liebe und die sporadischen Treffen mit Sternheim.
10. Januar. Th. St.s zweites Kind, ein Mädchen, kommt zur Welt. Der Vater ist Carl Sternheim. »Dorothea, Thea wird mein Kind heissen. Ich gebe ihm meinen Namen, weil ihm doch keiner so nahe steht, als grade ich.« (TB 23. 1.). In der Familie wird das Mädchen Moiby oder Mopsa genannt.
»Kein Wort, kein Gruss von ihm. Ich weiss nicht, ob er [Sternheim] von der Geburt seines Kindes erfahren hat. Und ist doch sein Kind. […] Mein Kind ist nun fast vierzehn Tage alt. Ich sehe es unter meinen Händen wachsen, an meiner Brust. Ich lebe heilige Stunden. Ich lebe eigentlich nur noch in diesem Kinde.« (TB 23. 1.) …


Agnes und Moiby (Mopsa), Oktober 1905
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1906

Jahresbeginn. Sternheim reist ein zweites Mal nach Italien und hält sich vor allem in Rom auf.
März. Eugenie Hauth will sich von Sternheim scheiden lassen. Dieser lebt weiterhin mit Rahel Herrmann zusammen.
»Es ist klar, ich liebe Carl, wenn auch mit allen Ernüchterungsphasen der inzwischen Sehendgewordenen, noch immer mehr als das eigene Leben.« (Ern S. 115) …


C. St. vor dem Hotel ­Göringer, Rippoldsau, Juli 1906
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1907

Februar. »Es ging nicht mehr an. / Ich bespreche mich oft mit Arthur und will einen Ausweg in Güte finden; diese Unwahrhaftigkeiten, diese Sehnsucht richten mich zu Grunde. Und Karl drängt immer mehr, ich soll zu ihm kommen.« (TB 1. 2.).
März bis Mai. Th. St. unternimmt mit Sternheim eine Reise, sie besuchen Wien, Budapest, Bukarest, Konstantinopel, Athen und fahren über Italien zurück nach München. Ein Höhepunkt der Reise ist der Besuch in Assisi: »Eingebaut in die Kirche Maria degli angeli die Portiuncula des Heiligen Franz. Ich betrete den Raum, wo der liebenswürdigste aller Heiligen gestorben, seine Zelle, die Gänge, die er begangen. Franziskanermönche bewahren dem Kloster des Franziskus Gedenken. Dann weiter zu seiner Kirche, die auf dem Hügel liegt, die schönste, die ich bis jetzt in Italien gesehen.« (TB 21. 4.) …


Haus Bellemaison in Höllriegelskreuth bei München, Foto Kunstanstalt Ludwig Schiessl, München, 1908
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1908

Januar. »Am 2 Januar, Donnerstag, abends um halb acht wurde der kleine Junge geboren. Er hat mir bei seiner Geburt von meinen drei Kindern die geringsten Schmerzen bereitet. Karl ist mir beigestanden, hat mir die Hand gehalten und sich über sein Kind gefreut. Unser Kind! […] Ich dankte meinem Gott in dieser Nacht für das Kind.« (TB 21. 1.)
März. Vom 1. bis 11. 3. sind Sternheims mit Maria und Franz Blei in Berlin. Sie haben Blei, den Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber zahlreicher Zeitschriften, im Dezember 1907 kennengelernt …


Franz Blei, Bellemaison
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1909

Januar. »Mit Karl am Don Juan korrigiert. Bald ist alles fertig: ein enormer Wurf. Ich könnte mir mein Leben nicht mehr ohne diese Arbeit denken; sie ist mir in Fleisch und Blut übergegangen. Es ist manches von mir darin, das ihm aus unserem Zusammenleben wurde. Von meinem Glauben.« (TB 24. 1.).
Februar. »Diese meine Bestgeliebtesten: Jan van Eyk, Franz von Assisi, Goethe, Flaubert, die Sand. Meine Heiligen, in deren besonderen Schutz ich mich gegeben. Meine Allerheiligsten. Kennen sie mich? Manchmal ist mir fast so.« (TB 24. 2.) …


Ernesto de Fiori und C. St. im Garten Bellemaison, April 1911
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1910

Januar. »Erwachen und Nachdenken, wie mein Leben in Untätigkeit verläuft. Unsagbar traurige Stimmung und Tränen. […] Widerstreit zwischen Wollen und Können. […] Ich bin dem Wechsel der Witterung, dem Körper unterworfen, abhängig vom Gelde, müde, ohne gearbeitet zu haben, verdrießlich ohne Grund. Ich liebe den Jungen, der mich zittern macht von Hause fort zu gehn. Ich hasse die Menschen und sehne mich nach Mitteilung.« (TB 20. 1.) …


Hugo von Tschudi, ca. 1910, DLA
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1911

Januar. »Je inniger ich mich auf mich selbst beschränke, umso freund­licher das Leben. Alles was nicht meiner Empfindung ist, verwirrt mich, schädigt mich. Immer mehr sehe ich die Notwendigkeit ein, mir eine regelmässige Arbeit zu schaffen: wie viel, wie unaussprechlich viel wäre zu lernen.
Unbegrenzte Dankbarkeit für Goethe. Wenn man Jesus Christus Kirchen erbaut, warum nicht auch diesem weisesten Mann? Er war der Gott meiner Jugend. Je älter und einsichtiger ich werde, umso unbedingter der Glaube an ihn. Ich will meine Kinder zu ihm führen, sie ihn kennenlehren, wie ich allmälich und langsam anfange, ihn zu kennen.« (TB 10. 1.).
Februar. Das Ehepaar Sternheim ist in Berlin zur Probe und Uraufführung des Stücks ›Die Hose‹ (unter dem ursprünglichen Titel ›Der Riese‹) in den Kammerspielen des Deutschen Theaters zu Berlin, Regie: Felix Hollaender …

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1912

Januar. »Karl liest Flauberts: Julien l’Hospitalier. Daranknüpfend Gespräche über das Religiöse, das Ethische. Karl will das Vorhandensein dieser Dinge im Rahmen eines künstlerischen Gebildes nicht dulden. Dostojewski. Über Flaubert, Franz von Assisi, die Passion Jesu gesprochen. Über die Märtyrer. Über die franziskanische Demut.
Über eigene Veranlagung. Karls Trieb zu den Menschen, meine Scheu vor ihnen.« (TB 29. 1.) …


Klaus mit Th. St., Belle­maison, Februar 1912, Fotograf unbekannt
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1913

Januar. »Ich fange an die Heiligkeit der Arbeit zu begreifen. Meine Unwichtigkeit. Ordne mich einer Pflicht unter, gebe mich rückhaltloser meinen Kindern hin und fühle mich weniger gemein. Ich denke an den Tod, möchte wohlvorbereitet sterben, meinen Kindern ein Beispiel hinterlassen, das nicht schmerzlich in ihren Erinnerungen stände, wie die Uneinigkeiten der Eltern in den meinen.« (TB 14. 1.).
Februar. Der Arzt stellt bei Th. St. Nierensteine fest, die entfernt werden müssen …


Ernst Stadler, Brüssel, 1914
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1914

März. »Über die Wirkung des Kunstwerks nachgedacht. Was macht es überhaupt, dass man ein Buch, ein Bild bis zu Tränen liebt? Welches unergründliche Element entscheidet.« (TB 4. 3.).
»Ich beende die Übersetzung des Maupassant’schen Stückes: La paix de ménage.9 Karl vollendet in grandioser Art den wundervollen ersten Akt seines neuen Stückes.« (TB 21. 3.) Gemeint ist ›1913‹, der Teil III der später so genannten ›Maske‹-Tetralogie, welche die Stücke ›Die Hose‹, ›Der Snob‹, ›1913‹ und ›Das Fossil‹ umfasst …

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1915

Januar. »Am Nachmittag kam der Schriftsteller René Schickele. Stadlers Freund. Täuscht mich der erste Eindruck nicht, so ist Beziehung da, von ihm zu uns.« (TB 7. 1.).
Nach intensiver Auseinandersetzung mit Tolstojs Werk verfasst Th. St. einen Artikel über den Autor; sie bittet Franz Blei, er möge die Publikation in einer Zeitschrift besorgen. Franz Pfemfert veröffentlichte ihn erst 1917 in seinem ›Aktionsbuch‹ …

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1916

Januar. Th. St. lernt Franz Pfemfert, den Herausgeber der Zeitschrift ›Die Aktion‹, in Berlin persönlich kennen. Pfemfert ist linksradikaler Publizist und Politiker und mit der Übersetzerin Alexandra (Anja) Ramm verheiratet.
Februar. »Ich lache mit Karl: Ich schreibe auch eine Erzählung. Setze mich hin und schreibe die ersten Seiten von Annas Kinderleben.10 Und lese sie abends mit rotem Kopf und bebender Stimme Karl vor, der sie gut findet und mich lobt.« (TB 2. 2.). Die Erzählung ›Anna‹ wird unter dem Namen Carl Sternheims zusammen mit dessen Erzählungen ›Geschwister Stork‹ und ›Meta‹ in einem Band mit dem Titel ›Mädchen‹, mit vierzehn Lithographien des expressionistischen Malers und Graphikers Ottomar Starke, 1917 veröffentlicht …


Haus Clairecolline in La Hulpe bei Brüssel, Fotograf unbekannt, DLA
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1917

Januar. »Der Verleger Wolff schickt eine Anzahl Neuerscheinungen. Erzählungen von Brod, Benn, Verse von Wolffenstein, Werfel und Stadler. Der Tod Stadlers war eine Katastrophe für die Literatur. Da wurde ein Geschütz geladen, irgend ein Tölpel dachte sich nichts dabei, alles ging ganz mechanisch unter Lachen und Fluchen. Aber Stadler lag in seinem Blute. Für was blutete Stadler?
Nun ist ihm wohl in Gottes Schooss.
Er hat den geheimnisvollen Weg hinter sich.« (TB 20. 1.) …


Gottfried Benn als Militärarzt, Fotograf unbekannt, DLA
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1918

Januar. Die Familie lebt weiterhin in ›Clairecolline‹, La Hulpe. Der Krieg ist durch den Lärm der Kanonaden und Begegnungen mit Flüchtlingen und Verelendeten ständig präsent.
»In der Küche. Dann arbeite ich im Garten. Es ist warm geworden über Nacht, unendlich milde, 10 Grad bei gedecktem Himmel. Erhöhte Kanonade. Ich grabe. Welche Hoffnung ist doch der kommende Frühling selbst in dieser Hoffnungslosigkeit. Gute braune nasse Erde. In jedem Jahr kommen wir belehrter, wissender, hoffnungsloser und doch gewisser zu dir zurück, um endlich dir ganz einverleibt zu werden. Als ich ins Haus gehe, bin ich selig ermattet.« (TB 20. 1.) …


C. St., La Hulpe, 1917
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1919

Januar. Th. St. verabschiedet sich von ihren belgischen Bekannten und trifft ihre Familie am 16. 1. in Scheveningen, Den Haag. »Ein angeschlagenes Telegramm: ›Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg erschossen.‹ Erschlagen, vielmehr hingemordet von der Bourgeoisie. Uns verschlägt’s die Rede. Meine klare Freude ist schmerzlich getrübt. Diese beiden Menschen werden ein Begriff der Brüderlichkeit und Freiheit in grauenvoller Verwirrung stehen. Wie tief denn will Deutschland noch sinken? Selig und bei Christus die Märtyrer. Aber die Alliierten werden Deutschland jetzt weiß bluten.« (TB
17. 1.) …


Th. St. vor dem geschnitzten Christus, Foto Herman de Cunsel (?), ca. 1960
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1920

Februar. Th. St. reist nach Uttwil; sie ist froh, St. Moritz verlassen zu können. »Bei Rorschach schon war der Anblick des unermeßlichen Wassers mir tröstlich. Das steigerte sich, je mehr ich mich Uttwil näherte. Mich überkam eine große Stille.« (TB 10. 2.). Sternheims leben vom 10. 2. 1920 bis 19. 6. 1922 im Haus ›Margrit‹, das René Schickele gehört …

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1921

Januar. Th. St. beginnt eine Korrespondenz mit Frans Masereel, der seit 1916 in Genf lebt und als Graphiker für pazifistische Zeitungen arbeitet, und lädt ihn ein, sie in Uttwil zu besuchen.
Sternheims gehen davon aus, dass das beschlagnahmte Eigentum der Deutschen in Belgien verkauft wird.
Februar. Rubakin schreibt ein Telegramm, die sequestrierte Sternheimsche Bibliothek sei freigegeben. »Unsere Bücher also! Was kein Belgier für uns unternahm, gelang diesem enthusiastischen Russen, der sich unter den Vielen, die uns freundschaftlich gegenüber stehen, so an unsere Stelle versetzen konnte, dass er begriff, uns fehlen die Bücher in hohem Maass.« (TB 7. 2.) …


Henri-Pierre Roché und C. St., Uttwil, 1921, DLA
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1922

Januar. »Zum Nachmittag besucht uns Herr Felixmüller der Maler. Fünfundzwanzigjährig, sympathisch, proletarischer Herkunft und wie wir an Pfemfert hängend.« (TB 6. 1.).
Th. St. findet einzelne Kunstwerke Conrad Felixmüllers ausgezeichnet, sie kauft einige Aquarelle. Gleichzeitig ist sie erschreckt vom tristen, unbehaglichen Eindruck der Wohnung, die nur spärlich möbliert ist.
Sternheims besichtigen den ›Waldhof‹ bei Dresden, das Haus und der Garten gefallen ihnen gut …


Haus Waldhof bei Dresden, Fotograf unbekannt, DLA
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1923

Januar. »Von Berlin kommen Franz und Anja Pfemfert auf Besuch. Pfemferts photographiert. / Anja ist mir sympathisch, aber auf ganz anderem Gebiet wie ihr Mann, für den ich sicher das Höchstmaaß Freundschaft empfinde, das ein Mensch für den anderen empfinden kann. So daß ich fühle ›Mein Bruder‹.« (TB 2. 1.).
Th. St. liest Charles Baudelaires Briefe an seine Mutter und ist ergriffen. »Armer Charles, alles das musste gelitten werden, damit aus deinem zermarterten Herzen der vollendete Ausdruck werden konnte! Du und Flaubert und Huysmans, Du und Grünewald und Roger, Du und Jesus!« (TB 6. 1.) …


Mopsa, ca. 1922
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1924

Januar. Th. St. ist bewegt von Lenins Tod. Seinen Namen verbindet sie mit dem Kriegsende: »Einer der den Frieden erzwang starb! Die leidende Menschheit verliert einen Freund.« (TB 24. 1.).
»Achtzehn weitere Holzschnitte für ›La Ville‹. Da dringt alles was Frans letzthin gedacht und gefühlt auf mich ein. Mein geliebter Freund, wir haben oft dasselbe gedacht!« (TB 26. 1.) …


Haus in Uttwil am Bodensee
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1925

Januar. Th. St. besucht Picasso in der Rue de la Boëtie, Paris. »Eintretend frappiert mich von zwei in der Wohnung hängenden Rousseaus vor allem das große ›La fête des nations‹ darstellende Bild. Sonst atmet die enge, mit geschmacklosen Sachen und darüber hinaus mit einem riesigen Weihnachtsbaum vollgestopfte Wohnung eine erdrückende Spießigkeit aus.« (TB 6. 1.).
Sie fotografiert bei Masereels. »Ich […] mache an die siebzig Aufnahmen: Frans am Arbeitstisch. Frans und Pauline auf dem Sofa. Pauline auf dem Balkon. Schließlich auch noch [das Dienstmädchen] Charlotte.« (TB 6. 1.) …


Frans Masereel bei der ­Arbeit, Paris, Januar 1925, DLA
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1926

Januar. »Moibys Geburtstag. Der Tag ihrer Grossjährigkeit.« (TB 10. 1.). Klaus und Sternheim reisen nach Berlin. Klaus hofft, bei Ullstein oder Kiepenheuer eine Arbeitsstelle zu finden.
Februar. Briefe von Agnes, die Th. St. zurzeit von den Kindern am nächsten steht. Sie lässt sich zur Sängerin ausbilden und berichtet über Fortschritte.
Reise nach Berlin, wo sich Klaus, Mopsa und Agnes aufhalten. Mehrere Male trifft Th. St. Gottfried Benn, mit dem sie sich sehr gut versteht …


Die Dichterkinder Pamela Wedekind, Mopa St. und Erika Mann mit C. St., Uttwil, Juni 1926
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1927

Januar. In Paris erste persönliche Begegnung mit André Gide, dieses Treffen hinterlässt zunächst einen ambivalenten Eindruck. Weitere Begegnungen und ein ausgedehnter Briefwechsel sowie zahlreiche Gespräche folgen, und so entwickelt sich eine Freundschaft, die bis zum Tod Gides (1951) für Th. St. äusserst wichtig bleibt.
»Mit welcher Bejahung lese ich Chevaliers Buch über Pascal,19 wie sehne ich mich, nach der Vollendung der vorbereitenden Lektüre Pascal selbst zu hören!« (TB 13. 1.) …


Martin Mörike, Berlin, 1931, DLA
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1928

Januar. Nach der Scheidung gibt es Auseinandersetzungen um die Auf­teilung des Vermögens, insbesondere auch der wertvollen Bildersammlung. Während des ganzen Jahres muss Th. St. ausgedehnte Korrespondenzen mit Rechtsanwälten führen.
Th. St. zieht nach Berlin, wo auch Mopsa und Klaus leben. Sie lernt Mopsas engen Freund, den französischen surrealistischen Schriftsteller René Crevel, kennen und schätzen. Zudem einen Freund von Klaus, den Spanier Antonio (Tony) de Gandarillas. Wie sich später herausstellt, beginnt Klaus unter dem Einfluss Tonys, Opium zu rauchen …


Antonio de Gandarillas und Klaus St., Sanssouci, 1928
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1929

Januar. Der angehende Arzt und Freund Mopsas Herbert [Hebby] Binswanger ist in Berlin, um über Sternheims Gesundheitszustand zu berichten. »Sternheim sei unheilbar gehirnkrank. Ich begehre auf. Klaus begehrt auf. Wir beide nehmen es nicht still hin wie Moiby.
[…] Er halte sich für den reichsten, berühmtesten, verehrtesten Mann Deutschlands. Seine bevorstehende Gesamtausgabe bringe ihm 36 000, nein 360 000, nein, 3 600 000 Goldmark ein.« (TB 7. 1.).
»In den vom Friedensbund deutscher Katholiken veranstalteten und von Pater Franziskus gehaltenen Vortrag über Pazifismus und Todesstrafe. […] Er ist in erster Linie der Fischer, der recht viel Seelen für den Friedensgedanken fangen will. Der die bereits eingefangenen Seelen weiterführen und stärken will.« (TB 29. 1.) …


C. St. im Westend-Sanatorium, Berlin
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1930

Januar. »Abends mit Karl in die Kammerspiele ›Der Kandidat‹. Da fällt mir meine grenzenlose Liebe zu Flaubert in die Erinnerung, der zweifache Elan, unter dem diese Komödie entstand, meine praktische Mitarbeit. Nicht umsehen!« (TB 27. 1.).
Bitteres Zerwürfnis mit Mopsa, weil sie und Ripper – beide süchtig nach dem Schmerzmittel Eukodal – im Zusammenhang mit ihrer Sucht lügen und intrigieren. 27. März bis 1. Mai. Reise mit Klaus nach Italien: Siena, Rom, Assisi, Florenz. »In einem Wägelchen zum Vatikan, den ich Klaus aber nur von aussen zeige. Meine Gedanken streunen. Wie sträubt sich meine Natur gegen den pontifikalen Luxus. Ach, ich muss, um das überhaupt hinnehmen zu können in mir die Erinnerung an Katharina und Franz ins Gedächtnis rufen.« (TB 7. 4.)


Der Trauzeuge Gottfried Benn; das einzige Foto der viel fotografierenden Th. St. von Benn, DLA
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1931

Januar. In Paris besucht Th. St. eine Ausstellung Masereels bei Billiet. »Ich betrachte aufmerksam die letzten grossen Bilder von Frans. Sie wirken nicht auf mich. Wir durchsprechen alle Möglichkeiten einer neuen Ausstellung in Berlin.« (TB 5. 1.).
Während des ganzen Jahres rege Korrespondenz zwischen Th. St. und Herman de Cunsel. »Denn Herman sagt mein tiefstes Bedürfnis begreifend, so in seinem heutigen Brief: ›Je voudrais qu’au lieu d’être seule avec vous-même (ceci indépendamment de votre Dieu) vous fussiez seule avec moi, et que vous ne sentiez pas le changement! C’est à cela que je voudrais arriver … ‹« (TB 10. 1.) …


Herman de Cunsel in ­Ostende, 1932, DLA
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1932

Januar. Nach einem Aufenthalt in Paris und Brüssel entsteht der Ent­schluss zur Emigration. Am 23. 1. 1932 schreibt Th. St. an André Gide: »A force d’avoir vécue pendant six mois sans pouvoir bouger dans l’atmosphère empoisonnée du Nazisme et des Notverordnungen, j’ai eu tout d’un coup un soif véhément d’entendre de vous un mot d’ordre humain. Aussi j’ai été ravie de mon sejour à Paris et à Bruxelles. Même ce sejour m’a donné fort envie de brûler mes bâteaux berlinois derrière moi et d’aller vivre d’à partir Avril n’importe où, peutêtre même en Espagne, pourvu qu’on ne m’impose plus les idioties qu’on nous sert içi. Refus net de chaque Wotanisme de ma part.«29 (TB 23. 1.) …


Der Redaktor Paul Adams, ca. 1928, DLA
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1933

Januar. Th. St. ermuntert den mit dem Kommunismus liebäugelnden Gide zur Reise nach Russland, die er erst 1936 unternehmen wird: »›Gehen Sie nach Russland‹, flehe ich Gide an. ›Sehen Sie mit eigenen Augen! Es ist eine vielleicht aufreibende Pflicht, aber es ist Ihre Menschenpflicht. Auch ich, in der Kirche, betrachte jeden Priester, jeden Betenden, prüfe jedes Wort, das von der Kanzel ertönt. ›Denn sie kommen im Schafsfell, die reissenden Wölfe ….[‹]‹«. (TB 11. 1.).
Sie liest begeistert Louis Férdinand Célines Roman ›Voyage au bout de la nuit‹ (1932): »Wissen, wie scheusslich das Scheussliche, wie gemein das Gemeine ist! Nur nicht verschleiern, nicht fälschen, keine hero­ïsche Geste, wo nur der Vomitus am Platze ist.« (TB 19. 1.) …


Julien Green, Dreißigerjahre, DLA
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1934

Januar. Am 7. wird Mopsas Mann, Carl Rudolf von Ripper, wegen Verteilung von Braunbüchern in Berlin verhaftet und ins Konzentrationslager gebracht. Er kommt erst im Mai wieder frei.
»Stendhal, im Abstand Tolstoi – das verlorene Paradies meiner primitiven Empfindung. Natürlich ist mir nie das Glück geworden, eine Natur à la Stendhal zu treffen. Aber nur diese Art Mensch wäre imstande gewesen mein Temperament zu seiner vollkommenen Ausdrucksmöglichkeit zu veranlassen. Über der Oekonomie der anderen ist mir das Wort im Hals stecken geblieben.« (TB 24. 1.) …


Rudolf von Ripper, 1936, DLA
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1935

Januar. Mit fast 90 % der Stimmen hat das Saarland für die Rückkehr zu Deutschland gestimmt: »Mir sinken die Beine unterm Leibe fort. Also man kann Juden, Katholiken u Marxisten verfolgen, man kann Pazifisten u Hunderte ohne Urteil mit bestialischer Willkür einsperren, abschlachten[,] Tausende in Konzentrationslager[n] festhalten, man kann in die Mikrophone Hass brüllen, die wirkliche Ehre eines Landes vernichten – alles das kann man tun, wenn man es eifrig mit patriotischen Schlagworten vermischt […], wenn man präzise das Gegenteil von dem tut, wie die christliche Lehre uns zu tun vorschreibt.« (TB 15. 1.) …


René Crevel, ca. 1927, DLA
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1936

Januar. »Mops ist eine der wenigen Menschen mit denen die Unterhaltung jene Dichte erreicht, die Vorbedingung zu jeder wesentlichen Verständigung bleibt. Sie ist klug, nüanciert, manchmal heroisch. Welch ein Jammer, dass die scharfe Lauge ihrer Spott- u Zerstörungslust in die leicht zerreissbaren Gewebe der Beziehungen so tiefe Löcher brennt!« (TB 14. 1.).
Th. St. kauft von einem jüdischen Emigranten eine Rolleiflex-Kamera für 900 Francs und beginnt wieder zu fotografieren …


C. St., Brüssel, 1936, DLA
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1937

Januar. »In Max Ernsts Atelier das letzte, fertiggewordene Bild betrachten. Welche Apotheose seines Talentes! Wie sehr bedaure ich, arm zu sein, das nicht besitzen zu können. […] Prachtvollstes Deutschtum in Paris erschlossen.« (TB 13. 1.).
Februar. Ripper, dieser »Mischmasch von Talent und Hochstapler«, wird wegen seiner früheren Desertion aus der Fremdenlegion verhaftet. »Dass mich der Vorfall für Monate in finanzielle Bedrängnis stürzen wird, liegt auf der Hand.« (TB 20. 2.). Er kommt am 1. Juni wieder frei und geht nach England …


Max Ernst in seinem Atelier vor dem Bild ›La joie de vivre‹, Paris, September 1937
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1938

Januar. Sie liest das von Hohenlohe ausgeliehene Exemplar von Célines­ krass antisemitischem Pamphlet ›Bagatelles pour un massacre‹ und findet darin einen Briefentwurf Hohenlohes an Céline, in dem sich dieser ebenso krass antisemitisch und pornografisch gibt. »Welch unvergleichlich schöne rührende Seele dieser authentische deutsche Prinz!« (TB 10. 1.).
Mopsa bringt Th. St. Rippers Mappe mit 17 großformatigen antifaschistischen Kaltnadelradierungen unter dem Titel ›Écraser l’Infâme‹: »machtvoll herausgegeben, präzis in der Absicht, rechtschaffen in der Fragestellung. Aufrichtig freue ich mich über Mopsens berechtigten Stolz. […] So ekelhaft mir Ripper als Mensch sein mag, für diese Leistung muss ihm vieles zugutegehalten werden.« (TB 23. 2.) …


Max und Marie-Berthe Ernst, Paris, 21. 2. 1933, DLA
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1939

Januar. Mopsa bemüht sich, Th. St. durch ihre Beziehungen die franzö­sische Staatsbürgerschaft zu verschaffen.
März. Der Verleger Alfred Schuster besucht Th. St. und berichtet von seinem KZ-Aufenthalt: »Er habe Nazibüttel Juden zu Tod prügeln gesehen, mit eigenen Ohren gehört, wie die Gequälten dabei auf hebräisch gebetet hätten. Er zeigt mir seinen Pass, in den mit blutroter Farbe ein grosses, aufreizendes ›J‹ eingetragen ist. Um Gotteswillen so schnell wie möglich den Ausweis loswerden, der mich mit einer Gemeinschaft die solchen Sadismus auszuhecken fähig ist, verbindet!« (TB 7. 3.) …


Ricarda Adler, die Frau des Rechtsanwalts Siegfried Adler, 1936, DLA
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1940

Januar. Th. St.s Einbürgerungsgesuch wird abgelehnt. »Bin ich darüber traurig? Offengesagt kaum. […] Dass mir durch die Ablehnung noch mancherlei Mühseligkeiten erwachsen können, liegt auf der Hand.« (TB 8. 1.). Februar. Auf der Polizeipräfektur wird ihr mitgeteilt, dass sie sich nun jeden Monat melden muss. März. Klaus und Mopsa machen erneut eine Entziehungskur. April. Boyer de Sainte-Suzanne sagt einen Besuch telefonisch ab. »Wie ich des guten, aber so ängstlichen, wenn nicht sogar feigen Menschen Dilemma nachfühle. Freundschaftliche Beziehungen zu einer Deutschen im Krieg zu unterhalten – das ist nichts für ihn!« (TB 5. 4.) …


Raymond de Boyer de Sainte-Suzanne, ca. 1931, DLA
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1941

Januar. Th. St. erfährt, dass Klaus am 18. September über Perpignan nach Portugal gereist ist, um nach Amerika zu fahren.
Februar. Herman meldet sich, glücklich, sie wieder erreichen zu können. »Je ne vais pas te redemander ta main pour la 4ième fois. Sache pourtant que je me dessèche d’amour et que sur un signe de toi je viens t’enlever, avec Mopsa. Moi, je me considère plus que jamais ton fiancé.«43 (TB 5. 2.) …

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Thea Sternheim und ihre Welt

»Keiner wage, mir zu sagen: Du sollst!«

Thea Sternheim und ihre Welt